Kelly-Kriterium für Anfänger: Warum wir Quarter-Kelly verwenden
Das Kelly-Kriterium
Das Kelly-Kriterium ist eine mathematische Formel zur optimalen Bankroll-Verwaltung. Entwickelt 1956 von John L. Kelly Jr. bei Bell Labs, bestimmt es den prozentualen Anteil des Bankrolls, der auf eine Wette gesetzt werden sollte, um langfristiges Wachstum zu maximieren.
Die Formel
f* = (b × p − q) / b
f* = optimaler Setzanteil (Anteil des Bankrolls)
b = Nettogewinn pro Einheit (Quote − 1)
p = geschätzte Gewinnwahrscheinlichkeit (aus de-viggt Pinnacle-Odds)
q = 1 − p = Verlustwahrscheinlichkeit
Beispiel:
Quote: 2,20 → b = 1,20
Pinnacle fair value: 1,90 → p = 1/1,90 ≈ 52,6%, q = 47,4%
f* = (1,20 × 0,526 − 0,474) / 1,20
= 0,157 / 1,20
≈ 13,1%
Mit Full Kelly müsste man also 13,1% des Bankrolls setzen. Das klingt viel — und ist es auch.
Warum Full Kelly zu aggressiv ist
Full Kelly setzt voraus, dass die Wahrscheinlichkeitsschätzung (p) exakt korrekt ist. In der Praxis ist das nie der Fall:
- Pinnacle-Quoten enthalten selbst eine (kleine) Marge
- Die Schätzung von p unterliegt Modellfehlern
- Extreme Marktschwankungen werden nicht erfasst
Wer mit falsch geschätztem p Full Kelly spielt, riskiert ruinöse Verluste. Die Volatilität ist extrem hoch: Eine Strecke von 10 verlorenen Wetten bei 13% Satzgröße kostet ~75% des Bankrolls.
Quarter-Kelly: Der sichere Kompromiss
Bei Quarter-Kelly setzt man nur f*/4 (25% des vollen Kelly-Werts). Im obigen Beispiel:
Quarter-Kelly = 13,1% × 0,25 = 3,3% des Bankrolls
Quarter-Kelly ist unter professionellen Betting-Analysten weit verbreitet, weil:
- Robustheit: Fehler in der Wahrscheinlichkeitsschätzung haben nur 1/4 des Einflusses
- Psychologie: Die Schwankungen sind erträglich — wenige "Draws" gefährden nicht den Bankroll
- Langfrist-Optimum: Mathematisch zeigt sich, dass Quarter-Kelly für typische Schätzfehler langfristig fast genauso gut wie Full Kelly ist, aber mit deutlich weniger Risiko
Wie BetEdge Einheiten berechnet
BetEdge zeigt "Einheiten" statt Prozente. Eine Einheit entspricht einem standardisierten Betrag (z.B. 1% des Bankrolls). Die Einheitenzahl wird wie folgt berechnet:
- Quarter-Kelly-Fraction berechnen (wie oben)
- Normalisieren auf eine 1-5 Einheiten-Skala:
< 0,5% → 1 Einheit
0,5 – 1,0% → 2 Einheiten
1,0 – 2,0% → 3 Einheiten
2,0 – 3,5% → 4 Einheiten
> 3,5% → 5 Einheiten
Die Einheitenzahl signalisiert die relative Satzgröße. Jeder Nutzer skaliert auf seinen eigenen Bankroll: Wer 1.000 € Bankroll hat und 1% pro Einheit definiert, setzt bei "2 Einheiten" also 20 €.
Wichtige Einschränkungen
- Kelly-Kriterium setzt voraus, dass die Wahrscheinlichkeitsschätzung korrekt ist. Das ist ein starkes Annahme.
- Bei sehr kleinen Edges (2–3%) ist der Quarter-Kelly-Anteil minimal (oft < 1 Einheit), was sinnvoll ist.
- Kelly schützt nicht vor Modellfehlern oder systematischen Fehleinschätzungen.
Fazit
Quarter-Kelly ist die praxisnähere Alternative zu Full Kelly. Es maximiert langfristiges Wachstum unter realistischen Unsicherheiten, ohne den Bankroll durch Überexposition zu gefährden. Bei BetEdge wird es für jede Pick-Empfehlung automatisch berechnet und als Einheitenzahl angezeigt.
Alle Informationen dienen der mathematischen Bildung. Keine Wettempfehlungen.